Rundbrief 2011-7

Rolf Armbruster
Schalksburgstraße 271
72458 Albstadt
Sehr geehrte Bisoro-Freunde,

es sind zwar schon 2 Monate her, seit ich eine Woche lang zu Besuch in Bisoro gewesen bin, aber die Eindrücke klingen immer noch deutlich nach.
Zunächst das Ermutigende:
Am 27. Mai konnte die siebte Grundschule im Teilort Bisoro-Gasenyi für 600 Kinder mithin das achte vorwiegend aus Deutschland finanzierte Unterrichtsgebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Ich habe ein solches Einweihungsfest für eine Schule zum zweiten Mal erlebt. Es war wiederum ungemein bewegend, wie sich die Burundis freuen können.

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Natürlich gab es die Reden (Schulminister, der deutsche Botschafter Joseph Weiß, die Bürgermeisterin, der Vorsitzende der AACOBI und selbstverständlich auch ich) wie bei uns auch, aber sie wurden immer wieder mit Klatschen, Gesang, Trommeln und Tanz von rund 1000 Leuten geschmückt. Damit bieten jetzt die von Deutschland, wesentlich mit Hilfe des Bundes, aus geförderten Schulen insgesamt auf ca. 4500 Plätzen für Kinder eine 6-jährige Grundschulbildung in Klassen von immerhin nur noch 50 – 60 Schülern an. Ziel in Burundi sonst sind Klassenstärken von ca. 100 Schülern.
Wie den Fotos zu entnehmen ist, besteht die neue Schule aus drei Gebäudeteilen, die aneinem Abhang in U-Form angeordnet sind

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Im linken Bild ist der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees in Chambéry, Alain Laury, zu sehen, der für diese Schüler französische Grundschulbücher beschafft hat. Dabei ist es gut zu wissen, dass Französisch in Burundi Behördensprache ist und in den Grundschulen – wo möglich – ab der 3. Klasse gelehrt wird.
Noch etwas Ermutigendes:
Beim Einweihungsfest der Grundschule Gasenyi bekamen auch 300 Frauen der achten Alphabetisierungsrunde nach 3 ½ Monaten Schulbankdrücken und einer kleinen Abschlussprüfung ihr erstes Zeugnis im Leben. Am nächsten Tag versammelten sich alle 2 400 bisher alphabetisierten Frauen in der Nähe des Hauses meines Freundes Térence Ndikumasabo und hießen mich mit Klatschen, Gesang und Tänzen willkommen. Dann bedankten sie sich über mich – etwa 100 davon mit einem Händedruck – bei allen Spendern hier, die „sie unterstützten, obwohl sie sie nicht kennen“. Da sie mir ja ihre Dankbarkeit nicht mit Worten in ihrer kirundischen Sprache vermitteln konnten, schlossen sie einen sehr bewegenden Tanz mit Dankeslied an, mit dem sie ihr „Murakosé – ihr Dankeschön“ besonders eindrucksvoll unterstrichen.

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Die restlichen Tage galten der Zukunftsplanung: Drei künftige Aktivitäten will ich herausgreifen.
1) Besuch des Krankenhauses Mwaro neben der medizinischen Fakultät der Universität Mwaro (etwa 800 Studenten). Mwaro heißt die Provinz (etwa 300 000 Einwohner), zu welcher die Gemeinde Bisoro (ca. 40 000 Einwohner gehört. Medizinische Apparate habe ich nur ganz wenige gesehen. Zuweilen funktionierten sie auch. „Könnt ihr uns mit Sachspenden aus Deutschland unterstützen?“ Ich bat um eine Bedarfsliste. Schon dies schaffte Hoffnung. Die Krankenhäuser in Deutschland haben aber vielfach schon Patenschaften und damit schon Abnehmer. Aber die hoffnungsvollen Augen von damals verfolgen mich täglich.

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2) Zwei Expertengruppen besuchten im Auftrag des Landes Baden-Württemberg im Herbst 2010 und im Februar 2011 u. a. auch Bisoro. Sie kamen beide zu der Erkenntnis, dass das Allgemeinwissen der Jugendlichen in unserer Partnergemeinde so hoch ist, dass man jetzt für eine gewerbliche Berufschule sorgen sollte. Die Probleme sind Legion. Die Experten schlugen vor, sehr sachte zu beginnen und zunächst je 15 Jugendliche im Bereich Elektro- und Wasser/Abwasser-Technik in einem dreijährigen verschulten Lehrgang auszubilden. Falls dies mit Erfolg geschieht, kann die Schule ausgebaut und dann eventuell auch – falls Handwerksbetriebe entstehen – später auf ein duales System umgestellt werden.
Teilaufgaben:
a) Suche nach einem geeigneten Bauplatz. Das ist nach mehreren früher gescheiterten Vorversuchen während meines Besuches gelungen.
b) Wie gewinnt man Ausbilder? Dazu muss der Trägerverein AACOBI vor Ort zunächst nach seinem Ermessen geeignete Techniker/Gesellen (ca. 5) auswählen. Diese Auswahl muss in Deutschland gefiltert, d. h. auf ihre tatsächliche Qualifikation hin getestet werden. Von den Testkandidaten werden die Besten (3) ausgewählt. Sie erhalten dann im Institut für Berufsbildung in Mannheim auf Kosten Baden-Württembergs zunächst je eine mehrmonatige praktische und danach eine pädagogische Ausbildung. Das ganze Verfahren (Reisekosten, Versicherung, Kost/Logis, Taschengeld) muss finanziert werden. Die Finanzierung steht aber noch aus.
c) Parallel zur Fortbildung der künftigen Lehrenden muss die Berufsschule geplant, gebaut und ausgestattet werden. Dazu brauche ich Berater, deren Ratschläge im Detail dem burundischen Architekten und den Bauunternehmen weiterzureichen sind. Für die beiden o. g. Berufsfelder müssen Werkstätten, Magazine fürs jeweilige Material und ein Theorieraum mit 2 Sammlungsräumen eingerichtet werden.
Es besteht die Chance, dass wir da am Förderprogramm des Bundes teilnehmen dürfen. Wir müssen aber 10 % des Kostenvoranschlags über private Spenden in Albstadt aufbringen.
d) Gegenwärtig suche ich Hilfen zur Formulierung von Bildungsplänen für die beiden Berufe. Da der technische Standard in Burundi allenfalls dem Stand der Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts bei uns entspricht, versuche ich über alte Lehrpläne und Hilfe von Fachleuten eine Planung zu erstellen, die auch noch die Zustimmung des burundischen Schulministers findet. Sonst bezahlt der burundische Staat nachher nicht die Lehrkräfte.
e) Am Ende gilt es noch Senioren zu finden, die als Fachleute für einige Wochen nach Bisoro reisen und helfen, die Schule in Gang zu setzen.
Ob dies alles gelingt, weiß ich auch nicht.
3) Durch die gegenwärtigen Nachrichten wird uns allen bewusst, wie wichtig Trinkwasser ist. Nachdem eine erfolgreiche Planung für eine Trinkwasserversorgung in Bisoro vor Ort gescheitert war, haben sich Kollegen aus dem Partnerschaftskomitee in Chambéry in die Vorplanung eingeschaltet. Gemeinsam haben wir zwei Ingenieure der Gruppe „Hydraulique Sans Frontières“ nach Bisoro geschickt. Diese haben eine komplette Planung erstellt, die wir künftig wegen Finanzierungsproblemen versuchen, scheibchenweise zu realisieren. Ziel ist, auf bezahlbare Weise jedem Bürger von Bisoro 5 l Trinkwasser pro Tag in höchstens 500 m Entfernung von seiner Behausung zu vermitteln. Dabei ist zu bedenken, Bisoro ist eine Gemeinde im Hügelland des burundischen Hochlandes (ca. 1900 m Höhe, 180 km2 Fläche). Dies bedeutet, man muss einen Teil des Wassers von den Bächen/Quellen auf etliche der 15 Hügel hinauf pumpen. Auch da besteht ein gravierendes Finanzierungsproblem. Für die Bezahlung des ersten Scheibchens will der Rotary-Club Albstadt mit dem Sammelergebnis eines von ihm am 9. Oktober veranstalteten Sponsorenlaufs Albstädter Schüler beitragen. Unsere französischen Freunde organisieren gleichfalls einen Lauf in Chambéry.
Zum Schluss auch noch zwei Bonbons:
1. Bonbon: Am 1. August 2011 konnte der Frauenverein AFEBI in Bisoro die 9. Alphabetisierungsrunde für 300 Frauen starten. Die Analphabetinnen hatten keine Chance in ihrer Jugendzeit eine Schule zu besuchen. Unsere Finanzierungshilfe hierzu betrug 9000 € pro Runde, womit Schreibmaterialien, Bücher bis hin zur Tafelkreide beschafft und die 30 Lehrkräfte bezahlt werden. Der Verein AFEBI muss für die Organisation vorwiegend über kostenlose Eigenleistungen im Wert von ca. 4 000 € zum Gelingen beitragen.

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Verteilung der Lehrmittel Die Organisatorin und Vorsitzende der AFEBI: Hélène Niyonsavye

Lesestoff Malaria-Prävention

2. Bonbon: Im Verlauf des vergangenen Jahres haben unsere französischen Freunde aus Chambéry ca. 5 000 Bücher, vor allem Schulbücher gesammelt, welche von Albstadt aus zusammen mit weiteren französischen Büchern des „Institut Français“ in Stuttgart zusammen mit ca. 1000 Lesebrillen und 6 Nähmaschinen mit Pedalantrieb verschickt werden. Das BMZ /GIZ subventioniert die Transportkosten wesentlich, wenn der Versand von Deutschland aus erfolgt. Also müssen die französischen Bücher zunächst nach Deutschland transportiert werden. Dies wird von unseren französischen Freunden organisiert, eine hervorragende Dreieckspartnerschaft, ABC = Albstadt, Bisoro, Chambéry, wie sie durch das folgende Logo symbolisiert wird:
Liebe Bisoro-Freunde,
ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Eindruck vermitteln, was in Bisoro in letzter Zeit schon geschah aber auch noch geschehen soll und grüße Sie herzlich
Ihr