1.1.1.Hilfe für Bisoro seit 1992

Der Zollernalb-Kurier berichtet am 25.06.2014

Mehr Bildung und Wasser

Albstadt unterstützt die afrikanische Gemeinde Bisoro seit über 20 Jahren
Seit 21 Jahren engagiert sich die Stadt Albstadt für die Gemeinde Bisoro in Burundi. Neben der Versorgung mit sauberem Wasser werden hier vor allem Schulen gebaut sowie Bürger alphabetisiert.

Rolf Armbruster beugt sich über seine Unterlagen. Gerade ist er dabei, neue Sachspenden für Bisoro zusammenzustellen. Seit über 20 Jahren bemüht sich die Stadt Albstadt, in Zusammenarbeit mit der französischen Partnerstadt Chambéry, der Gemeinde im afrikanischen Burundi unter die Arme zu greifen. Das Festwochenende von Freitag, 27. Juni, bis Samstag, 29. Juni, soll neben anderen Jubiläen auch das langjährige Engagement für Bisoro würdigen. Rolf Armbruster selbst ist seit 1999 im Arbeitskreis Chambéry dabei.

„Im Partnerschaftsvertrag der beiden Städte ist festgeschrieben, dass man sich in der Dritten Welt engagieren soll“, erklärt der ehemalige Gymnasiumsrektor die Grundlage der Arbeit in Bisoro. Chambéry unterstützt dabei hauptsächlich Burkina Faso finanziell und greift Albstadt bei seiner Arbeit in Bisoro seit sechs Jahren hauptsächlich mit Planung und Organisation unter die Arme.

Wie die Stadt an Bisoro kam, ist etwas kurios. Weil Burundi bereits seit Jahrzehnten Partnerland von Baden-Württemberg war, bekam die Landesstiftung für Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 1992 zwei Briefe: einen von Vertretern aus Bisoro, die um Unterstützung baten, und einen aus Albstadt, in dem nach einem Projekt in der Dritten Welt zur kontinuierlichen Begleitung gefragt wurde. Die Stiftung vermittelte kurzerhand beide Absender aneinander – ein erfolgreiches Projekt war geboren.

Erfolgreich? Ja, denn in der Zeit, in der Albstadt Bisoro unterstützt, wurde einiges geleistet. „Es gibt momentan zwei Hauptprojekte“, erklärt Armbruster. Eines davon ist das Alphabetisierungsprogramm. Unter der Leitung von Hélène Niysavye haben bislang über 4500 Frauen und 200 Männer lesen und schreiben gelernt – und sind deshalb überaus glücklich.

Alphabetisierung ist aber nicht das Einzige, was in Sachen Bildung getan wird. Mit der finanziellen Unterstützung der Stadt Albstadt wurden sieben Schulen in Bisoro gebaut, vier Werkrealschulen, ein landwirtschaftliches Gymnasium, eine Volkshochschule und eine Berufsschule. Armbruster: „Früher hatten die Schulklassen in Bisoro über 130 Schüler, mittlerweile sind die Klassengrößen auf etwa 50 Schüler geschrumpft.“

Das zweite Projekt, in das Albstadt Geld pumpt, ist die schrittweise Versorgung der Gegend mit Trinkwasser. „Zu Beginn haben wir drei Schulen versorgt, inzwischen haben drei Teilgemeinden Bisoros fließend Wasser.“ Das Ziel, die restlichen zwölf Teilgemeinden auch zu versorgen, liegt in weiter Ferne. Das Wasserprojekt ist ins Stocken geraten. „Der Bund übernimmt drei Viertel der Kosten, der örtliche Projektträger fünfzehn Prozent und Albstadt zehn Prozent“, erklärt Armbruster. „Für alle Gemeinden würden von der Stadt etwa 200 000 Euro fällig.“

Beim Festakt am Wochenende wird das Bisoro-Projekt mit zwei Ausstellungen bedacht: zum einen werden die wichtigsten Projekte vorgestellt, zum anderen sind Zeichnungen von Schülern aus Bisoro zu sehen. Obwohl es in der Gemeinde, dem Land und auf dem Kontinent noch viel zu tun gibt, ist Armbruster zufrieden mit Albstadts Engagement in Bisoro. „Es ist ein Vorzeigeprojekt in Burundi. Mittlerweile gilt Bisoro als Schul- und Bildungsstadt.“

Gemeinsam stark für Burundi: Auf der Wunschliste steht ein Viehzuchtprojekt

Groß Die Gemeinde Bisoro befindet sich in der Provinz Mwaro, erstreckt sich über eine Fläche von 80 Quadratkilometern und hat etwa 38 000 Einwohner.

Weit Die gleichmäßige Verteilung der Bevölkerung auf Hügeln und landwirtschaftlichem Familienbesitz hat wegen des fehlenden Nahverkehrs vielerorts zur Folge, dass Kinder jeden Tag bis zu 20 Kilometer zur Schule hin und zurück laufen müssen.

Bildung Die Menschen leben überwiegend vom Eigenanbau, trotz der Alphabetisierungskampagne kann der Großteil der Bevölkerung noch nicht lesen und schreiben. Lehrer werden mit umgerechnet etwa 40 Euro pro Monat ziemlich schlecht bezahlt, zumal die Lebensmittelpreise in Bisoro ähnlich hoch sind wie in Deutschland.

Vereine AACOBI (Verein der Freunde und Bewohner von Bisoro) und AFEBI sind die örtlichen Hauptvereine, die die vom Bund und Albstadt mitfinanzierten Projekte vor Ort umsetzen. An ihren Spitzen stehen Terrence Maikumisabo und Hélène Niysavye.

Pläne Es ist noch viel zu tun: „Wir sind zur Zeit dabei, ein Viehzuchtprojekt zu organisieren“, verrät Rolf Armbruster. Es geht immer weiter…


Wiedergabe des Artikels vom 25.6.2014 mit freundlicher Genehmigung des Zollern-Alb-Kurier